Landsberg am Lech

LL Christiane Berg-Doiwa

Christiane B.-D. ist seit 2015 als Vertreterin der Landsberger Kirchen beim Helferkreis Landsberg am Lech: 
Bei meiner ehrenamtlichen Arbeit habe ich Mehari in der Integrationsgruppe der Landsberger Kirchen kennengelernt, in der wir monatlich zusammen mit Einheimischen und Flüchtlingen gekocht, gespielt oder Ausflüge unternommen haben, mit dem Ziel Integration zu leben. Durch die weitere Unterstützung ist er immer weiter in meine Familie aufgenommen und zu unserem Freund geworden. 

 
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Mehari T. (28 Jahre) ist vor dem Militärdienst in Eritrea geflohen und 2015 mit der ersten Flüchtlingswelle übers Mittelmeer nach Landsberg am Lech gekommen. 
Seit 2017 arbeitet Mehari in einer Metzgerei über deren Kontakt ihm auch eine Wohnung vermittelt werden konnte. Inzwischen befindet er sich im 3. Ausbildungs-Lehrjahr zum Metzgerei-Fachverkäufer.

2.FOTO Merhawi Mahari Gemd. Hecke

Merhawi M. aus Eritrea kam 2015 nach Schondorf und hat sich hier sehr gut eingelebt. Er absolvierte erfolgreich den Integrationskurs und nahm parallel dazu eine Tätigkeit beim Bauhof der Gemeinde Schondorf auf, zuerst im Rahmen eines Minijobs, dann in Teilzeit. Heute arbeitet er Vollzeit als fester Mitarbeiter des Hausmeisters für die gemeindlichen Liegenschaften. Als Quereinsteiger hat er die Prüfung für den Integrationskurs erfolgreich abgeschlossen und den Führerschein bestanden. Er unterstützt als fester Mitarbeiter den Hausmeister, der sich um die gemeindlichen Liegenschaften kümmert, bewohnt eine kleine Gemeindewohnung und kümmert sich in diesem Haus um kleine Hausmeistertätigkeiten.

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Mein Name ist Sokol H. und ich bin Teil des Helferkreises in Hurlach seit 2015.  

Ich habe Mohsen K. 2014 kennengelernt. Er wurde in Iran politisch verfolgt und deswegen hat er in Deutschland Zuflucht gesucht. Bei unserer ersten Begegnung konnte er kein Wort Deutsch sprechen. Alles musste durch einen Dolmetscher kommuniziert werden. Ich war von seiner Geschichte sehr bewegt und hatte sofort das Gefühl „Er braucht meine Hilfe!“ Von dem Zeitpunkt an, traf ich mit ihm und anderen Iranern regelmäßig (wöchentlich).

Sehr schnell konnte ich einen Sprachpraktikum für ihn organisieren. Nach einem Jahr konnte er einen Sprachkurs und Integrationskurs absolvieren. Seitdem hat sich Mohsen, Schritt für Schritt in d „Bayerische Lebensart“ völlig integriert. Er ist jetzt selbst Mitglied in unserem Helferkreis in Hurlach, wo er anderen Iranern oder Afghanen hilft, so schnell wie möglich ihren Platz in Deutschland zu finden. Er macht gerade ein Studium zum Pastor im Baptistenbund, ist Mitglied bei der Feuerwehr Hurlach und bei der Wasserwacht in Kaufering.

2015 ist Ziad A. zu uns gekommen. Er hat mir schon bald erzählt, dass er mit seinem Vater eine Schneiderei in Damaskus betrieben hat. Und da entstand natürlich die Idee, auch hier in diesem Bereich tätig zu werden.

Selbstverständlich musste zuerst die Aufenthaltserlaubnis abgewartet werden und mussten Deutschkurse erfolgreich absolviert werden. Und dann kam auch die Frau aus Syrien nach Deutschland mit den zwei Kindern, lange ersehnt und voller Freude empfangen.

Nachdem die alles erreicht war, begann der dornige Weg zur Selbständigkeit.

Da ich in diesem Bereich keineswegs eine Fachfrau bin, war meine Aufgabe zum einen, Ziad zu ermutigen und v. a., Informationen einzuholen und Kontakte zu knüpfen. 

Das ist mir gut gelungen: Ziad bekam wertvolle und unermüdliche Hilfe von verschiedenen Seiten. Wir mussten lernen, den formalen Prozess zu verstehen, die bürokratischen Hürden überwinden, finanzielle Mittel finden, Enttäuschungen verkraften. Das dauerte!

So weit ich konnte, stand ich an Ziads Seite, freute mich mit ihm, ärgerte mich mit ihm, war manchmal ratlos. Aber er hat es geschafft!

Das alles kam zu einem guten Ende mit der Geschäftseröffnung in der

Katharinenstraße am 15. September 2019! Dort   ist er seither mit seinem

Partner Walat als Änderungsschneider tätig. Auch wenn die beiden erfolgreich sind, so gab und gibt es auch da Höhen und Tiefen, v.a. in Coronazeiten, in denen das Geschäft zeitweilig auch geschlossen werden musste. Daher arbeiten beide Teilzeit in der Schneiderei und in einem anderen Job. Und auch Ziads Frau muss manchmal aushelfen mit Einkäufen etc.

Die Hoffnung ist natürlich, finanziell auf so sicheren Beinen zu stehen, dass dies nicht mehr nötig ist.

Gabriele C., Helferkreis Kaufering: 

Seit 2016 bin ich beim Helferkreis Asyl Kaufering, seit 2019 Ehrenamtskoordinatorin des Helferkreises. 

In Kaufering gab es eine große Sammelunterkunft für Flüchtlinge – hauptsächlich junge Männer aus den unterschiedlichsten Ländern – Afghanistan, Iran, Syrien . später auch Familien. Hier gab ich und mehrere Ehrenamtliche aus dem Helferkreis Deutsch Sprachunterricht in Kleingruppen. Die Ehrenamtlichen unterstützten bei vielen diversen Aktivitäten wie Weihnachtsfeier, gemeinsames Kochen, Reparatur und Organisation von Fahrrädern. Wir unternahmen Fahrradtouren in die nähere Umgebung. Neben dem Deutschunterricht für die Erwachsenen wurde auch mit den Kindern Spiele gemacht und gebastelt. Wir unterstützten die Leute bei Behördengängen, erklärten deutsche Amtsschreiben, halfen bei Bewerbungen, bei Zimmer-/Wohnungs- und Arbeitssuche. 

Speziell für die Frauen wurde in Kooperation mit der Volkshochschule von der Integrationsbeauftragten des Marktes Kaufering ein internationales Frauenfrühstück initiiert, das ich mit einigen anderen Frauen aus dem Helferkreis durchführte. Auch Kinder konnten hierher mitkommen. Es wird miteinander Deutsch gesprochen z.T. auch zu ganz speziellen Themen (Verhütung, Bewerbung), wozu auch Vortragende von außerhalb eingeladen werden. 

Aus diesen Anfangszeiten sind persönliche Kontakte zu Einzelpersonen und Familien entstanden, die z.T. bis heute bestehen. In dieser Zeit lernte ich auch die syrische Familie A. kennen, die ich intensiver betreue. Das Interesse der Eltern und auch der Kinder am schulischen Weiterkommen war sehr groß, so dass wir immer wieder für Klassenarbeiten und Schulübertritt gemeinsam lernten.  – vor allem Deutsch. Die Formulierungen in den Aufgabenstellungen als solche zu verstehen war für die Kinder eine große Herausforderung. Auch heute bin ich ihre Ansprechpartnerin, wenn es um schulische Dinge geht, gerade in der ersten Zeit mit Corona und Homeschooling. 

Der ganzen Familie wünsche ich, dass der Prozess der Integration weiterhin gut verläuft. 

Maissan A.:

Ich komme aus Syrien. Anfang 2017 kam ich im Rahmen des Familiennachzugs nach Deutschland – zusammen mit meiner Mutter, meinen Schwestern und meinem Bruder. Ich war damals 14 Jahre alt. 2014 waren wir aus Syrien geflohen, als unsere Stadt bombardiert wurde – zunächst nach Libanon, dann Türkei, dann nach Deutschland. Mein Vater war bereits seit Ende 2015 in Deutschland und hatte Asyl beantragt. In Deutschland wohnten wir zunächst einige Tage in der Nähe von Utting am Ammersee – weitab von jedem Dorf. Dann wurden wir in eine Sammelunterkunft in Kaufering verlegt. Wir weinten viel. Diese Zeit war die allerschlimmste in meinem Leben.

Meine ältere Schwester Y. und ich mussten  – natürlich – in die Schule gehen. Wir mussten ein Stück weit fahren. Wir gingen in Landsberg in eine sogenannte Übergangsklasse, wo wir hauptsächlich Deutsch lernten und nur sehr wenig in den anderen Fächern. Wir mussten in die 7 Ü. Klasse. Durch die Verhältnisse in der Halle, wo es keinen ruhigen Moment gab, konnten wir auch nicht gut Hausaufgaben machen oder lernen. Im Januar 2018 konnten wir endlich in eine private Wohnung ziehen. Wir gingen in Kaufering auf die Mittelschule. – wieder in die 7 Ü Klasse!!!  Nach der 8. Klasse konnte ich endlich, endlich auf die Realschule wechseln. Auf Anraten des Rektors und nach langem Sträuben meldete ich mich für die 8. Klasse an. Es war das 1. Corona Jahr und schulisch passierte nicht allzu viel. Letztes Jahr war ich in der 9. Klasse und bin froh, jetzt mit viel Corona-Schulerfahrung  in die Abschlussklasse zu kommen. Nach der mittleren Reife werde ich eine weiterführende Schule besuchen (FOS) und das Abitur machen. Mein Berufswunsch ist Kinderärztin. Ich habe auch bereits einen Erste-Hilfe-Kurs und ein Praktikum im Klinikum Landsberg gemacht.

Inzwischen bin ich schon 19 Jahre alt. Ich bin sehr ungeduldig, aber durch das deutsche Schulsystem ging es nicht schneller für mich. Ich spreche inzwischen sehr gut Deutsch und begleite meine Eltern zu Behördengängen und ggfs. zu Arztbesuchen. Ich habe mich für eine Ausbildung zur ehrenamtlichen Integrationsbegleiterin angemeldet, die wegen Corona letztes Jahr abgesagt werden musste, dieses Jahr aber hoffentlich zustande kommt. Ich hatte auch ein Jahr Gitarrenunterricht, was aber nichts für mich war.

Bild von S. Braun-Magin

 Sibylle B.-M. arbeitet ehrenamtlich seit 2015 in Kaufering mit Geflüchteten, v.a. durch Unterstützung beim Deutschlernen (für Geflüchtete aus Afghanistan, Iran, Somalia, Eritrea und Nigeria). Zwei Personen hat sie während einer Pflege-Ausbildung beim Lernen unterstützt, und einem Realschüler gibt sie regelmäßig Nachhilfe. „Für mich ist das Kennenlernen anderer Menschen aus verschiedenen Kulturen eine große Bereicherung! Ich finde es sehr interessant, und wir können gegenseitig voneinander lernen.“
 „Mit Yohana hat das Lernen im Bereich Pflege besonders viel Spaß gemacht, denn sie war sehr wissbegierig und man konnte mit ihr aufgrund ihrer guten Deutschkenntnisse auf sehr hohem Niveau kommunizieren und lernen. Ich freue mich, dass sie Altenpflegerin werden will, denn dort ist ihr Herz und ihre Motivation, und sie hat aufgrund ihres kulturellen Hintergrundes großen Respekt vor alten Menschen!“

Yohana D.(aus Eritrea) kam 2016 nach Deutschland und wohnt nun schon 3 Jahre mit ihrem Mann und inzwischen 2 Kindern (3 und 1 Jahr) in Kaufering / Landkreis Landsberg. Sie nahm 2019 an einem 3-monatigen Lehrgang „Pflege“ teil, was ihr sehr viel Spaß machte. Hier bekam sie Unterstützung durch Sibylle Braun-Magin, die ihr ehrenamtlich beim Lernen half. Beim anschließenden Arbeiten im Seniorenstift Kaufering zeigte sich, dass sie eine außergewöhnliche Begabung im Umgang mit alten Menschen besitzt. Sie zeigt außerdem in allen Bereichen des Lebens ein großes Interesse und eine hohe Motivation zum Lernen. Sie möchte möglichst bald die Ausbildung zur Altenpflegerin machen.
 Momentan ist sie familiär mit ihren 2 Kindern stark eingebunden, aber im Herbst 2022 wird sie dann mit der Ausbildung beginnen.

Nachdem Hr. Mihreteab T. im Dezember 2015 nach Deutschland (München) kam und seit 2016 in Obermeitingen wohnt, wurde er erst vom Helferkreis Obermeitingen , dann von Fr. Berger unterstützt. Es freut alle Beteiligten besonders, daß er sehr viel Verständnis für die europäische Kultur entwickelt hat.
Er unterstützt mit allen Kräften seine Frau, die im Herbst in die Berufsschule gehen wird. Gleichberechtigung von Frau und Mann findet er sehr gut und wichtig. Wann immer es nötig ist, kümmert er sich um seinen 3jährigen Sohn. Dazu war es ihm immer sehr wichtig, auch solange seine Frau nicht arbeiten durfte, den Unterhalt der Familie so gut es geht selbständig zu finanzieren..

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Fritz Sch. ist seit 2015 im AWO Mehrgenerationenhaus Landsberg und im Helferkreis Landsberg tätig.

Anfang 2016 lernte er Abdulahi S. aus Eritrea kennen und half ihm bei der Anerkennung seiner Ausbildungsabschlüsse und bei der Wohnungs- und Jobsuche. 

Inzwischen gehört Abdulahi zur Familie

Abdulahi S. hat nach seinem Militärdienst in Eritrea Agrarwissenschaften mit dem Abschluss Bachelor studiert. Nach der Flucht und erfolgreichen Deutsch- und Integrationskursen in Landsberg ist Abdulahi seit 2018 in einer jungen Landsberger Technologiefirma tätig. Er ist dort inzwischen alleinverantwortlich für das Mechanical Design (CAD) und arbeitet auch in der Produktion. Vor Kurzem hat er seine Niederlassungserlaubnis erhalten. 

 

Mohamad brachte 2016 das beste Rüstzeug aus Aleppo mit, das er für eine gelingende Integration in Deutschland brauchte: Ein abgeschlossenes Studium als Bau- bzw. Vermessungsingenieur, die Bereitschaft, sehr schnell die deutsche Sprache zu lernen sowie ein großes Interesse an den Menschen und der deutschen Kultur. 
Er machte auf sich aufmerksam, als er schon nach wenigen Wochen seine Unterkunft in 3D präsentieren konnte und einige Praktika absolvierte, u.a. bei einem Architekten in LL.  Nach kurzer Zeit war er unabhängig von jeglicher Unterstützung seitens des Staates. Mittlerweile ist er in Festanstellung bei einer großen Vermessungsfirma, fährt einen Dienstwagen und hilft bei der Lehrlingsausbildung. Er hat viele deutsche Freunde, gehört inzwischen zu meiner Familie und setzt sich nach wie vor für seine syrischen Landsleute ein. Sogar den Schwimmkurs hat er erfolgreich absolviert, was er selbst als großen Erfolg betrachtet, wasserscheu wie er bei seiner Ankunft in Deutschland war.  Ich bin sehr stolz auf Mohamad und freue mich, dass er nun auch eine Frau gefunden hat und die beiden Eltern einer kleinen Tochter geworden sind. Es dauert jetzt nicht mehr lange, bis Mohamad den deutschen Pass bekommt.